Diagnose von Zöliakie

Allgemeines

Woraus besteht die Zöliakie- bzw. Sprue-Diagnostik?

  1. Antikörperbestimmung anhand eines Bluttests
  2. Dünndarmbiopsie bzw. Duodenoskopie
  3. Positives Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung

Was muss ich vor den Untersuchungen beachten?

Bevor mit den Untersuchungen begonnen wird, ist dringend zu beachten, dass mit der Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung noch nicht begonnen werden darf, da sonst die diagnostische Aussagekraft negativ beeinflusst wird. Die glutenfreie Ernährung kann recht schnell dazu führen, dass die entscheidenden Antikörper im Blutbild fehlen und die Dünndarmschleimhaut das charakteristische Bild nicht mehr aufweist. Aufgrunddessen kann eine Zöliakie bzw. Sprue nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden.
 

Der Bluttest

Wie sieht der Bluttest aus? 

Um Zöliakie / Sprue zu diagnostizieren, ist zunächst eine Antikörperbestimmung durch einen Bluttest erforderlich, zu dem etwa 1 ml Blutserum benötigt wird. 

Welche Bedeutung haben die Antikörper?

Zöliakie / Sprue ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die sog. "B-Zellen", Antikörper produzieren. Diese Antikörper richten sich gegen körpereigenes Gewebe und schädigen es. Während einer Immunantwort der B-Zellen werden 5 verschiedene Antikörperklassen gebildet, und zwar sind es Immunglobuline (Ig) der folgenden Klassen (Immunglobuline = Antikörper): 

  • IgA
  • IgD
  • IgE
  • IgG
  • IgM

Da sich im Magen-Darm-Trakt überwiegend B-Zellen befinden, die IgA bilden, hat die Bestimmung spezifischer Antikörper der IgA-Klasse eine große Bedeutung. Es wird jedoch empfohlen, noch zusätzlich die Bestimmung der IgG-Antikörper hinzuzuziehen, da ca. 2% aller Zöliakiepatienten einen IgA-Mangel aufweisen. 

Welche Antikörper werden bestimmt?

- Nach Ausschluss eines IgA-Mangels: Bestimmung der IgA-Antikörper gegen: 

  • Gewebs-Transglutaminase (tTG)
  • Endomysium (EMA)
  • Gliadin (AGA)

- Bei IgA-Mangel: zusätzliche Bestimmung der IgG-Antikörper gegen: 

  • Gliadin (AGA)
  • Gewebs-Transglutaminase (tTG)

Erst im Jahre 1997 wurde die Gewebs-Transglutaminase (tTG) als das wichtigste Antigen der Zöliakie-Diagnostik identifiziert, da bei diesem Antigen die Sensitivität sowie die Spezifität besonders hoch ist (Sensitivität : 98,5%; Spezifität: 98%). 

  • Sensitivität bedeutet: keine falsch-negativen Tests
  • Spezifität bedeutet: keine falsch-positiven Tests

Reicht die Antikörperbestimmung für die Diagnose aus?

Durch eine Antikörperbestimmung kann nur der Vedacht auf Zöliakie / Sprue geäußert werden. 
Die Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (ESPHGAN) empfiehlt und neurere Untersuchungen belegen, dass eine 100%ige Diagnose nur durch eine anschließende Dünndarmbiopsie gestellt werden kann. 

Muss ich mein Blut regelmäßig untersuchen lassen?

Es ist empfehlenswert, eine jährliche Blutuntersuchung machen und das Blutbild kontrollieren zu lassen. Nur so kann man sicher sein, ob Diätfehler vorliegen und ob der eigene Vitamin- und Mineralstoffhaushalt im Norm-Bereich ist. Ebenso sollte man in regelmäßigen Abständen nach Diabetes untersucht werden. 

 

Die Dünndarm- bzw. Zwölffingerdarm-Biopsie (Duodenoskopie)

Was passiert bei dieser Biopsie?

Unmittelbar vor der Untersuchung muss man einen vom Arzt verabreichten Saft trinken, der den Schaum in den oberen Verdauungsorganen auflöst, damit der Arzt "klare Sicht" hat. Während man sich anschließend in Seitenlage befindet, wird ein biegsames Endoskop (ca. 9 mm dünn) durch die Mundhöhle in die Speiseröhre, den Magen bis hin zum Zwölffingerdarm (erster Abschnitt des Dünndarms) geschoben. Um krankhafte Veränderungen besser erkennen zu können, wird etwas Luft in die Verdauungsorgane geblasen. Anschließend werden mehrere kleine Schleimhautstückchen oberflächlich von verschiedenen Stellen der Dünndarmschleimhaut entnommen, die nach der Untersuchung unter einem Mikroskop nach folgenden Kriterien betrachtet werden: 

  • Zerstörung der Darmzotten (totale/subtotale Zottenatrophie)
  • Abflachung der Dünndarmschleimhaut (Mukosa)

Während die Gewebeentnahme für den Patienten völlig schmerzfrei ist, wird die Biopsie selbst oftmals als unangenehm empfunden. Man kann sich daher vor der Untersuchung eine Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze geben lassen. Zusätzlich kann man sich für den Würgereiz beim Einführen des dünnen Schlauches ein Spray als Rachenbetäubung geben lassen. 

Die Biopsie kann unabhängig vom Krankheitszustand und Lebensalter des Patienten durchgeführt werden, da sie völlig ungefährlich ist. Es besteht sogar schon die Möglichkeit, nach Absprache des Arztes, die Biopsie ambulant durchführen zu lassen. 

Was muss ich vor der Biopsie beachten?

  1. Damit die oberen Verdauungsorgane frei von Speiseresten sind, muss man am Untersuchungstag nüchtern sein. 
    Nüchtern heißt, dass man mindestens 5 Stunden lang vor dem Eingriff keine Speisen oder Getränke zu sich nehmen darf.
  2. Die Einnahme von Medikamenten sollte unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden.

Was muss ich nach der Biopsie beachten?

  1. Wenn man eine Rachenbetäubung, Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze bekommen hat, darf man mindestens eine Stunde nach der Biopsie nichts essen oder trinken.
  2. Da nach einer Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze die eigene Reaktionszeit und Wahrnehmung beeinträchtigt ist, darf man 24 Stunden lang nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
  3. Nach der Biopsie kann es zu leichten Schluckbeschwerden, brennendem Gefühl im Rachenraum, Brechreiz und Blähungen (durch verbliebene Luft im Magen und Dünndarm) kommen.

Muss ich eine Biopsie machen lassen?

Der Bluttest mit einer anschließenden Dünndarm-Biopsie ist nach dem heutigen medizinischen Stand die einzige und sicherste Methode, um die Chance auf eine zweifelsfreie Zöliakie-Diagnose zu haben. Wird nach der Biopsie eine glutenfreie Diät begonnen und die Symptome des Betroffenen gehen daraufhin erkennbar zurück, handelt es sich zu 100% um Zöliakie / Sprue. 

Muss ich regelmäßig eine Biopsie machen lassen?

Während in den 70er Jahren noch 3 Biopsien verlangt wurden (eine zu Beginn, eine vor und eine nach Glutenbelastung), um die Diagnose Zöliakie / Sprue zu bestätigen, ist heutzutage nur noch eine Biopsie notwendig. Zusätzlich gilt das positive Ansprechen auf die glutenfreie Diät als Beweis. Weitere Biopsien sind nur noch dann erforderlich, wenn gastrointestinalen Symptome auftreten. 

Welche Diagnosen sind möglich?

  1. Biopsie positiv, Antikörpertests positiv : 
    Diagnose Zöliakie / Sprue ist sicher.
  2. Biopsie negativ, Antikörpertests negativ: 
    Diagnose Zöliakie / Sprue ist ausgeschlossen.
  3. Biopsie positiv, Antikörpertests negativ: 
    Diagnose Zöliakie / Sprue wahrscheinlich, aber nicht sicher. 
    Kontrollbiopsie nach 6 Monaten glutenfreier Diät.
  4. Biopsie negativ, Antikörpertests positiv: 
    Es liegt eine Glutenüberempfindlichkeit vor (potenzielle Sprue). 
    Kontrollbiopsie nach nach 3 bis 6 Monaten Glutenbelastung 
    (bei Auftreten von gastrointestinalen Symptomen früher).

Weitere Informationen zur Duodenoskopie