Was ist Zöliakie?

Was ist Zöliakie / Sprue?

Im Jahre 1950 machten der holländische Kinderarzt W.K. Dicke sowie seine Mitarbeiter die entscheidende Entdeckung, dass es sich bei Zöliakie / Sprue um eine lebenslange Unverträglichkeit gegen „Gluten“ handelt, die unbehandelt eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut verursacht. Das hat zur Folge, dass die lebensnotwendige Nährstoffaufname durch den Darm allmählich zerstört wird. Gluten (gesprochen: Glutéen) ist ein Klebereiweiß, das in fast allen bei uns üblichen Getreidesorten vorkommt, und zwar in:

Früher stand Wildreis im Verdacht, glutenhaltig zu sein, da aus botanischer Sicht eine Verwandtschaft zum Hafer besteht. Dieser Verdacht hat sich nach Erkenntnissen der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) aber nicht bestätigt. 

Trat die Erkrankung im Kindes- oder Jugendalter auf, sprach man von Zöliakie, während sie beim Erwachsenen als Sprue (gesprochen: Spruh) bezeichnet wurde, abgeleitet vom Begriff der tropischen Sprue, die jedoch eine epidemische Erkrankung ist und mit der Autoimmunerkrankung außer einer evtl. teilweise ähnlichen Symptomatik nichts gemein hat. Deshalb hat man sich inzwischen international darauf geeinigt, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen von Zöliakie zu sprechen. In manchen Diagnoseberichten sind nach wie vor Bezeichnungen wie (einheimische) Sprue oder glutensensitive Enteropathie zu finden. Dabei handelt es sich immer um die Autoimmunerkrankung Zöliakie, korrekt diagnostiziert in ihrer individuellen Verlaufsform definiert in den Bezeichnungen Marsh 1 bis 4. 

Was ist Gluten?

Die oben aufgeführten Getreidesorten besitzen einen Proteingehalt von etwa 7-15%, der zu 90% aus Gluten besteht. Gluten ist demnach ein Eiweißbestandteil und besteht aus Prolamin und Glutenin. Bei einem Zöliakie- / Sprue-Betroffenen lösen die Prolamine die typische Entzündung im Darm aus. Jede Getreidesorte hat eine eigene Bezeichnung für sein Prolamin: 

  • Weizen: Gliadin
  • Roggen: Secalin
  • Gerste: Hordein
  • Hafer: Avenin

Da bei der Verarbeitung der Getreidesorten das Gluten dafür sorgt, dass der Teig elastisch bleibt und Flüssigkeit gebunden wird, wird es auch als Klebereiweiß bezeichnet. 

Welche Ursachen hat Zöliakie / Sprue? 

In den 70er Jahren fanden Forscher heraus, dass die Ursache der Glutenunverträglichkeit in den sog. HLA-Genen liegt, die sich auf dem Chromosom Nr. 6 befinden und die wichtig sind für die Kontrolle der Entzündungs- und Abwehrreaktionen des Körpers. Unter diesen Genen befindet sich das für Zöliakie / Sprue typische Gewebsantigen "HLA-DQ2", das die Erkrankung auslösen kann. Dies ist aber nicht die alleinige Ursache. Es ist noch anzunehmen, dass sowohl zusätzlich weitere Gene als auch bestimmte Umweltfaktoren, wie z.B. Infektionen, eine wichtige Rolle spielen. Aufgrund dessen handelt es sich bei Zöliakie / Sprue nicht um eine Allergie, sondern um eine vererbbare, genetisch bedingte Autoimmunerkrankung, wie z.B. Diabetes Typ I, bei der Antikörper produziert werden, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten und es schädigen. Durch die genetische Veranlagung, die bei jedem Menschen unverändert bleibt, besteht bei Zöliakie / Sprue eine lebenslängliche Unverträglichkeit gegenüber Gluten.
 
Nach dem derzeitigen Stand der Forschung, weiß man heute noch immer nicht, auf welchem Wege das Gliadin bei Zöliakie- / Sprue-Betroffenen die Dünndarmschleimhaut schädigt. Daher existieren noch keine Medikamente oder medizinische Behandlungsmethoden, die eine Verträglichkeit des Glutens ermöglichen. 

Wie häufig ist Zöliakie / Sprue?

Die Häufigkeit von Zöliakie / Sprue liegt in Deutschland bei ca. 1:1.000 bis 1:800, d.h. jeder tausendste bzw. achthundertste ist davon betroffen. Da jedoch aufgrund vieler untypischer oder nur „leichter“ Symptome eine hohe Dunkelziffer (nicht erkannte Zöliakie- / Sprue-Patienten) vermutet wird, gehen Experten sogar von einer Häufigkeit von 1:300 bis 1:200 aus.  Das weibliche Geschlecht ist von Zöliakie / Sprue etwas häufiger betroffen als das männliche Geschlecht (Verhältnis 1,5:1). Da in China und Japan die Ernährung größtenteils aus Reis und Gemüse besteht, ist die Erkrankung dort so gut wie gar nicht bekannt, während sie in Irland am häufigsten auftritt.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

Die Wahrscheinlichkeit der Vererbung liegt bei Verwandten 1. Grades (Eltern - Geschwister - Kinder) bei etwa 10 - 15%, wobei die meisten Verwandten Zöliakie- / Sprue-Betroffener keine typischen Symptome aufweisen sondern sich nur die für Zöliakie / Sprue charakteristischen Antikörper gebildet haben. 

Ist Zöliakie / Sprue heilbar?

Zöliakie / Sprue besteht ein Leben lang, da die Erkrankung nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht heilbar ist. Die einzige Möglichkeit der Behandlung ist die strenge Einhaltung einer glutenfreien Diät. Während noch in den 40er Jahren die Krankheit lebensbedrohlich verlief, kann heute mit Hilfe einer glutenfreien Diät ein völlig unbeschwertes und beschwerdefreies Leben geführt werden. 

Weitere Informationen:

  • für Jugendliche und Erwachsene: > Ratgeber Zöliakie und Sprue <

    Diese interessante Broschüre über Zöliakie / Sprue ist von "Neuform" und kann über das Reformhaus bezogen oder hier direkt als PDF-Datei heruntergeladen werden. Zum Herunterladen der Datei einfach auf den o.g. Link mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter" auswählen. Anschließend die PDF-Datei speichern. Ansehen kann man sich die Broschüre mit dem Acrobat Reader. Kein Acrobat Reader installiert? Dann einfach > hier klicken <, herunterladen und installieren.

  • Speziell für Kinder: > Die Zöliakie-Fibel <